Hagbergturm bei Gschwend, Ostalbkreis

Daten und Fakten
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Aussicht
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Literatur

 

Daten und Fakten

Höhe über NN: 585 m
Höhe des Turms: 23 m
Öffnungszeiten: Von Ostern bis Ende Oktober an Sonn- und Feiertagen, sonst  Schlüssel gegen Pfandhinterlegung bei Familie Klaus Frank Wasserhof 6 Tel. 07972 / 911923. (Neueres Wohnhaus mit Landwirtschaft ca.  400 m östlich vom Turm an der Strasse nach Horlachen.)
Kiosk im Turm mit kleinem Aufenthaltsraum, einfache Vesperkarte.
Nächste Parkmöglichkeit: Wanderparkplatz beim Sturmhof, von dort ca. 550 m ebener Fußmarsch bis zum Turm.
Lage: Karte-Hagbergturm
Geobasisdaten © Landesamt für Geoinformation und Landentwicklung, www.lgl-bw.de, Az.:2854.5-SAV, 2011
Anmerkung: Anklicken der Karte erzeugt vergrößerte Darstellung.
UTM Koordinaten: 32N E 552041 N 5421012
GPS Koordinaten: N 48.93985° E 009.71065°
Erforderliche Wanderkarten: Blatt 8  Schwäbisch Hall – Backnang oder
Freizeitkarte Blatt 521 Göppingen

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Allgemeines

Die Geschichte des Hagbergturms

Als Überbleibsel von einer durch den König befohlenen Landesvermessung befand sich auf dem Hagberg ein Vermessungsgerüst. Dieses wurde von der Bevölkerung und den Kurgästen gerne bestiegen um die schöne Aussicht noch besser genießen zu können. Daraus hervorgehend wurde bereits im Jahre 1895 die Errichtung eines Aussichtsturmes auf dem Hagberg diskutiert. In den Gemeinden Altersberg und Gschwend ist zu diesem Zweck auch geworben und gesammelt worden. In Gschwend geschah dies unter Federführung des Verschönerungsvereins mit dem Vorsitzenden Oberförster Ortlieb. Im Jahre 1901 waren die Mittel soweit vorhanden, dass mit dem Bau begonnen werden konnte. Um die restliche Summe zur Deckung der Baukosten zu erhalten wurde unter anderem auch eine Lotterie veranstaltet. Interessant ist, dass zu diesem Zeitpunkt auch der Schwäbische Albverein einen Aussichtsturm bauen wollte und zwar auf der Hohen Tanne. Die besseren Argumente hatten die Gschwender weil hier bereits Geld vorhanden war und der Hagberg 20 m höher ist als die Hohe Tanne. Schließlich beauftragte der Verschönerungsverein Gschwend den Architekten Karl Maisenbacher aus Stuttgart mit der Ausarbeitung der Pläne zum Bau des Turms. Am 10. Mai 1901 wurden die Arbeiten an die Handwerker vergeben. Die Maurerarbeiten erhielt Maurermeister Herb aus Honkling, den Auftrag für den Blitzableiter Schlosser Bayerbach Gschwend, die Zimmerarbeiten gingen an den aus Honkling stammenden Meister Dietrich unterstützt von den Meistern Schlipf aus dem Kaisersbacher Täle und Ströhle aus Hagkling. Bereits am 17. Mai brachten 9 Langholzfuhrwerke das nötige Stammholz aus dem Dammerswald zunächst auf den Marktplatz in Gschwend und nach einem fröhlichen Vesper vor dem Gasthaus Rößle schließlich zur Aufpolterung auf den Hagberg.
Die Einweihung des Bauwerks war am 1. September 1901, beginnend mit einem Festzug vom Marktplatz Gschwend aus. Der Festzug wurde an der Markungsgrenze bei Dinglesmad durch den Ortsvorsteher von Altersberg mit den „bürgerlichen Collegien“ nebst Feuerwehr und Kriegerverein begrüßt. Nach der Erwiderung des Gschwender Ortsvorstehers und dem Salut der Böllerschüsse vom Hagberg, bewegte sich  der Zug seinem Ziel entgegen. Mit einem Feuerwerk auf dem Hagberg endete die Einweihungsfeier.
Dem Vereinsprotokoll vom 21. Mai 1902 ist zu entnehmen, dass die Baukosten 3.227 Mark und 86 Pfennig betrugen.
Der Verschönerungsverein betreute zu dieser Zeit neben dem Hagbergturm auch den Badsee sowie die aufgestellten Ruhebänke für die hier weilenden Sommerfrischler und Kurgäste. Mit dieser Aufgabe hatte der kleine Verein bald die Grenze seiner finanziellen Möglichkeiten erreicht. Die notwendigen Erhaltungsmaßnahmen am Turm konnten nicht immer im erforderlichen Umfang ausgeführt werden, sodass man im Jahre 1929 an den Schwäbischen Albverein mit der Bitte herantrat, ihn zu übernehmen. Da der Hagberg sehr stark von Wanderern besucht wurde und diese am Erhalt des Bauwerks starkes Interesse hatten,  sah man im Albverein den richtigen Partner als künftigen Eigentümer. Doch der lehnte zunächst aus Geldmangel ab. Auf Grund nicht nachlassender  Bemühungen war er 1936 schließlich bereit, den Turm zu übernehmen. Er erhoffte sich dadurch mehr Mitglieder zu erhalten, eventuell auch die Auflösung des Verschönerungsvereins unter gleichzeitigem Übertritt desselben zu ihm.
Ab dem Jahre 1939 diente der Hagbergturm der dort stationierten Flugwache als Beobachtungsposten. Um eine freiere Sicht zu erhalten wurde 1943 die obere Pagode abgenommen. Damit war der Schutz des Bauwerks gegen Witterungseinflüsse stark eingeschränkt. Um diesen Zustand zu beenden und den seit dem Krieg geschlossenen Turm wieder benutzen zu können, wurde er so schnell wie es eben in dieser schlechten Nachkriegszeit möglich war mit einem Dach versehen. Am 2. Oktober 1949 war die Einweihung des erneuerten Hagbergturms. Dies wurde mit einem Fest unter großer Anteilnahme der Bevölkerung gebührend gefeiert.
Ein Sturm im Jahre 1970 versetzte dem Turm einen schweren Schlag, was sich im Laufe der folgenden Jahre fast zum Todesstoß für ihn entwickelte. Bei der Schadensfeststellung durch den Bausachverständigen des Albvereins rechnete dieser mit einem Aufwand von 30.000 DM für die Wiederherstellung des Aussichtsturms. Bedingt durch Geldmangel seitens des Hausbesitzers wurde die Angelegenheit weiter verschleppt, sodass der Turm wegen nicht mehr vorhandener Verkehrssicherheit 1973 geschlossen wurde. In der folgenden Zeit entwickelte sich die Angelegenheit soweit, dass von Seiten des Besitzers an einen Abbruch gedacht wurde mit dem Vorschlag zu einem späteren Zeitpunkt wieder einen Aussichtsturm zu bauen. Dies wurde von den Gschwendern abgelehnt und vom damaligen Kreisbaumeister Hauser wäre eine Abbruchgenehmigung nur in Verbindung mit einem gleichzeitigen Wiederaufbau zu erhalten gewesen. So zog sich die Angelegenheit hin bis der Druck durch die Gschwender Bevölkerung, der Gemeindeverwaltung, der hiesigen Albvereinsortsgruppe und anderen Stellen so groß wurde, dass der Hausbesitzer genötigt wurde endlich den entscheidenden Schritt in Richtung Neubau zu tun. Die Besorgung der nötigen finanziellen Mittel erfolgte federführend durch den damaligen Bürgermeister Schmidt und Amtsrat Gerhard Wahl von der Gemeindeverwaltung Gschwend. Die Zuschüsse und Spenden ergaben schließlich einen solchen Betrag, dass der Hausbesitzer einen verhältnismäßig kleinen Eigenanteil zu tragen hatte.
Die Erd- und Maurerarbeiten wurden von den Firmen Stoll aus Honkling, Kurt Bauer Mittelbronn und die Zimmererarbeiten von Richard Maile Hagkling ausgeführt. Am 21. Juni 1980 erfolgte die Einweihung des neuen Hagbergturms in seiner heutigen Form, was dem ursprünglichen Aussehen von 1901 sehr nahe kommt.

Herbert Volland

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Aussicht

Die exponierte Lage im Welzheimer Wald am Rande des Nordabfalles zum Rot- und Kochertal hin ermöglicht weite Ausblicke, nach Westen zunächst über den Welzheimer Wald mit dem Wasserturm bei Kaisersbach, rechts davon der Murrhardter Wald, hinter diesem dann die Löwensteiner Berge, an die sich rechts der Mainhardter Wald anschließt. Nach Norden führt das Waldtälchen des Rauhenzainbaches hinaus ins breite Tal der Fichtenberger Rot. Der Einschnitt des Kochertales zieht sich von Nordosten nach Osten, jenseits davon die Limpurger Berge, die mit dem Einkorn über der Haller Ebene ihren nördlichen Endpunkt haben. Nach Süden zieht das idyllische Tal der Schwarzen Rot zur Lein hin. Dahinter zeigt sich der Albtrauf mit mehr als der Hälfte seiner Länge: Im Osten der Fernsehturm auf dem Braunenberg, dann Rosenstein, Kaltes Feld, Rechberg, direkt im Süden der Hohenstaufen. Weiter westlich schweift der Blick je nach Sichtweite über Teck, Hohenneuffen, Achalm bis zum Roßberg und vielleicht sogar zum Hohenzollern.

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Wanderungen zum und vom Turm:

Unsere Routenbeschreibungen – Zugänge, Wanderungen und Radwanderungen – sind nur anhand der Wanderkarte verständlich. Diese muss auch während der Wanderung ständig zur Orientierung herangezogen werden.

  • Vom nächst gelegenen Bahnhof aus: Fichtenberg – bis zum Hagberg auf dem Wanderweg Baden-Württemberg (= HW 3 mit rotem Strich und grünem Baum) über den Staufenberg – Eichenkirnberg – Gläserhof – Horlachen – Hagberg, 6 km

 

Bushaltestellen

  • Dinglesmahd (nur an Schultalgen) – Vogelhof – zum Turm 2 km
  • Von Gschwend auf dem SAV-Weg mit blauem Kreuz, dann mit blauem Strich zum Sträßchen Waldhaus – Wasserhof – weiter mit blauem Strich über den Pfeiferhof zum Wasserhof und zum Turm, 5 km
  • Von Seelach an der B 298 auf dem SAV-Weg mit blauem Strich zum Turm. Vom Hohfeld beim TP 576 weite Sicht über das Waldland der Lein-Zuflüsse. Um den Aufstieg zum Haghof zu erreichen, kann über die Zufahrt zur Hugenbeckenreute abgekürzt werden; der Pfad quert die L 1080 und führt hinab zu der Stelle, wo der Aufstieg zum Haghof beginnt – zum Turm 4 km
  • Von Kirchenkirnberg immer ohne Zeichen über Altersberg (575 m) wieder hinab nach Horlachen und hinauf zum Turm, 4 – 5 km
  • Von Unterrot – Schönberg – auf dem SAV-Weg zunächst mit blauem Strich, dann mit blauem Punkt im Tal des Steigersbaches zur ehemaligen Reippersberger Sägmühle beim Wasserpunkt 396 – Wildgarten – zum Weg mit blauem Strich und über Pfeiferhof und Wasserhof zum Turm, 10 km
  • Vom Hellershof (nur an Schultagen) entlang der L 1080 hinab zum Bruckhof  – auf dem Wanderweg Baden-Württemberg  durch das Tal der Schwarzen Rot und deren Oberlauf, dem Hagbach zum Turm, 6 km
  • Von Welzheim, Stadtmitte auf dem Limesweg (= HW 6 – roter Strich mit schwarzen Turm) zum Aichstruter Stausee (Badesee) – auf dem Mühlenweg (mit Mühlrad) hinüber ins Tal der Blinden Rot – talauf bis zur Gebenweiler Sägmühle – nach Osten mit den Wegweisern zu den Felsszenerien der Brunnen- und Hägelesklinge einbiegen – Ebersberg – hinab zur Menzlesmühle und auf dem Wanderweg Baden-Württemberg dem Hagbach entlang zum Hagberg, 15 km

 

Radwanderungen

  • Fast alle kleinen Flüsse oder Bäche, die von Norden her durch liebliche Wald- und Wiesentäler der Lein zustreben, sind äußerst angenehm zu fahren. Bei leichtem Gefälle kann die idyllische Landschaft genußvoll erlebt werden. Die Höhenzüge zwischen den Tälern können zur Rückfahrt benützt werden. In Welzheim sind die römischen Überreste, bzw. Rekonstruktionen sehenswert. An heißen Tagen laden Ebnisee, Aichstruter Stausee, Hagerwaldsee, Eisenbachsee, Leinecksee, Reichenbachsee und Rehnenmühlesee zum Baden ein. Das Wasser ist infolge des lehmigen Untergrundes meist etwas bräunlich, aber trotzdem sauber und immer erfrischend; fast an allen Seen befinden sich Kioske mit Speisen und Getränken.

 

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Literatur:

  • Aus der Reihe „Natur – Heimat – Wandern“ des Schwäbischen Albvereins: Naturpark Schwäbisch-Fränkischer Wald von Paul Strähle, Theiss Verlag, 4. überarbeitete Auflage 2006, 327 Seiten, interessante Aufsätze zu Natur, Geologie, Geschichte und Vorgeschichte, zu Glashütten, Mühlen, zur Flößerei, mit 65 Wandervorschlägen, zahlreichen farbigen Abbildungen.
  • Aus der Reihe „Natur – Heimat –Wandern“ des Schwäbischen Albvereins: Klaus Seidel „Östlicher Schwäbisch-Fränkischer Wald“, Theiss Verlag, 1. Aufl. 2001, mit 60 Wanderungen, Aufsätze zu Geologie, Natur, Kultur und Geschichte, zahlreiche farbige Abb., 350 Seiten, ISBN 3-8062-1637-1.
  • Aus der Reihe „Natur – Heimat – Wandern“ des Schwäbischen Albvereins: Hans Mattern, Jürgen Schedler und Manfred Steinmetz „Bahnausflüge zwischen Neckar und Tauber“, Theiss Verlag, 1. Aufl. 2000, mit 40 Wanderungen, Stadtbesichtigungen im Umkreis von 80 km um Stuttgart, Ausgangs- und Endpunkte sind mit öffentlichen Verkehrsmitteln erreichbar, farbige Fotos, Kartenskizzen, 249 Seiten, ISBN 3-8062-1537-5.
  • Claudia Gollor-Knüdeler „Der Schwäbisch-Fränkische Wald“, Silberburg Verlag, 1. Aufl. 2002, Bildband mit Erläuterungen in Deutsch, Englisch und Französisch, mehr als 100 großformatige Aufnahmen, 100 Seiten, ISBN 3-87407-535-4.
  • Dieter Buck „Ausflugsziel Schwäbisch-Fränkischer Wald“, Silberburg Verlag, 2. Aufl. 2007, 22 Wanderungen und Radtouren, zahlreiche Infos, zahlreiche farbige Abb. Wegeskizzen, 167 Seiten, ISBN 3-87407-648-2.

 

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